¡feliz! – ARGENTINA

Textauszüge der Erstfassung
(Manuskript)

 

Inhaltsverzeichnis

Quebrada del Condorito

Hochzeit nördlich von Salta

Español Rioplatense

Señor Maximón

Terrazas de los Andes

Baden in Puente del Inca

Der Himmel so nah

Zu Mittag steht die Sonne im Norden  

– volver –

Una nueva estrofa

Manuskriptausschnitt Kapitel 3 der Erstfassung

Español Rioplatense

¡Suerte! wusste ich noch nicht in der vollen Bedeutung zu erfassen und zu übersetzen, als ich am Montag um 9:30 Uhr die Türe zur Academia Buenos Aires in der Calle Hipólito Yrigoyen öffnete und mir der antiquierte Lift im Originalkolonialgebäude nicht wirklich geeignet schien und scheint, um mich definitiv auch dort in der Sprachschule ankommen zu lassen. Also trete ich außer Atem meinen Spanischsprachkurs an.

Eine erste kurze Einführung belehrt uns über die Tücken des 100 Pesos Scheins, schlussendlich präge ich mir ein, dass die Haptik, das Fingerspitzengefühl über Echtheit und Falschheit des Geldscheins entscheidet.
Busfahren, auch 24 Stunden lang, sei unbedenklich wird uns versichert. Sonst das Übliche, wie überall.

Eine zweite Einführung unterrichtet uns über Unterschiede in der Aussprache zwischen europäischem und argentinischem Spanisch.

Doch zuallererst erfahre ich, dass ich nun Español Rioplatense lernen werde.
Diese Aussage zieht mich sogleich in den Bann.

Die wesentlichsten und entscheidendsten Unterschiede in der Aussprache zwischen Castellano und Rioplatense sind  …

(Auszug aus Kapitel 3)

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Zu Mittag steht die Sonne im Norden  

Dieses Argentina-Sein begegnet mir erneut auf der Fahrt zurück nach Buenos Aires, unterwegs zu den guten Lüften.

In der Pampa – im „Grasland“, …

Gesäumt von unzähligen Wasservögeln, bekannten und mir unbekannten, tausenden Störchen, hier etwas robuster und mit schwarzem Langschnabel, kleineren Greifvögeln, die direkt neben mir auf Zaunstipfeln sitzen und Flamingokolonien, dort, da, und da, und hinten wieder, lacht die Sonne zu diesem heiteren und so selbstverständlichen Miteinander-Alltagssein.

Mit uns, wir mit ihnen, brausen überlange LKW-Ketten von Argentina/BsAs nach Mendoza und weiter nach Chile, sie brausen vor allem mit landwirtschaftlichen Gütern und Transportmitteln (in) der Pampa selbst. Durchschnittlich die Situation. Normal.

An einem baumbeschatteten Rastplatz machen wir Halt, um dieses Fahren diese Momente tiefer in uns einzusaugen, auszukosten und da hupt auch schon ein LKW-Fahrer und lächelt verbunden, wissend, begreifend, unser, mein Tun. Weiter geht es dann, der geradlinigen RN 7 Richtung Osten entlang, ein energiereich beschwingter, heiterer Ritt, die Sonne so glitzernd, der Himmel so nah, dieses Blau hier auf Erden und die Wolken so hoch, so groß, so weiß, ganz eigene Paläste an hochdichten körperhaften Märcheninseln. Ich hole sie zu mir herunter (nein, sie sind schon da), steige hinein, fliege, schwebe in ihnen und in der Luft, küsse die Sonne, zwinkere dem Licht zu, schüttle den Rindern die Hand, gehe auf im Flamingo-Rosenrot *

(Auszug aus Kapitel 8)

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 – volver –

Zurück in meinem Buenos Aires, nehme ich wieder in der Vicente López tausend ff Quartier. Mein Blé ist wie immer a la esquina Callao/Vicente Lopez, mein La Biela ist noch immer von den Riesen-Stamm-Gummi-Bäumen umgeben, Grünsittiche mischen sich wie eh und je ins Kaffeegeschehen, die Menschen sind wie immer elegant, fröhlich, zuvorkommend und zurückhaltend, der Flughafen/die Flieger in Sicht/Nahansicht; mein Bus 130 fährt wie immer in die Innenstadt, ich gehe, schlendere im Buenos Aires-Rhythmus, aufrecht, natürlich wirbelsäulig, wie immer die Calles, Avenidas, Plazas entlang; esse meine tira in der Av. Santa Fe, – Cin-Cin meinte die Dame, von unserem Anstoßen, Zuprosten animiert, in ihrer Gedanken- und Erinnerungswelt Erlebnisse an die Oberfläche kommen zu lassen, die sie mir anmutig mit feurigen Augen auf Español Rioplatense zutraulich erzählt.

Hier das Teatro Colon – die Diagonal zur Plaza de Mayo (≠ ist niemals Plaza Mayor), das Gaumont mit den ausschließlich argentinischen Filmen, der Park Vicente Lopez, mit „meiner“ zukünftigen Wohnung, der Mini-Balkon zu den Bäumen, an die Baumkronen gelehnt, die Ruhe im Park mit all seinen Bewohnern, San Telmo, natürlich die Museen, Borges-Zentrum, das Stadion in La Boca, Palermo, das Tango-Rondeau, mein Schulweg, die Sube, Subte, der Rio-de-la-Plata Kanal, sogar der Obelisk, die Villagas, Empanadas (de Tucúman!), Ramírez, Janet Wise, Mafalda, Polo (?), mein Rosenkleid.

Den Straßen entlang laufen, in meinem/mit diesem Jacarándavioleta, einen ganzen Monat lang volle Blüte, in voller Blüte stehen, das Einssein, das MeinsSein genießen – disfrutar – in den Gesichtern der verschiedenen Menschen lesen, Alicias sehen, ihre Spuren erahnen, das Leben verstehen.


x 1 Verliebt sein in alles, woraus große Liebe dann wird, zwischendurch ob des Sonnenstandes zu Mittag – sie steht hoch im Norden! – ganz schön verwirrt, instinktiv der Sonne folgend, oftmals rechts und links beim Abbiegen vertauschend, berauschend wie einfach Wechselschritt der Perspektive später gelingt …

 … in das Microcentro führen, dieses pocht so lebendig, so selbstverständig auf ganz tiefen Wurzeln in die Zukunft hinein, hier leben, hier schreiben, weben, Porteña sein.

Sich, mich finden in den Bildern Antonio Bernis im Museo de Bellas Artes, besonders im Gemälde mit den niñas y niños, lesend, vorlesend, schreibend, leendo y scribendo, leendo en voz alta …

Eine Abbildung des Gemäldes wirst du in diesem Buch nicht finden (vergeblich suchen), geh’ hin, schau es dir selbst an, mach dir selbst ein Bild, es ist leicht zu finden, gleich rechts nach der Stiege im 1. Hauptsaal vorderen Saal im 1. Stock.


(Auszug aus Kapitel 8)

im Bearbeitung